unser Reisetagebuch

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Tag 5 - Briksdal

Nordkap 2013

03.07.2013, Kilometerstand: 2032,8


Mit Erschrecken haben wir gestern festgestellt, dass der Tageskilometerzähler auf `0´ steht. Eigentlich sollte er die Gesamtlänge unserer Reise dokumentieren. Es gab Anschuldigungen... aber ein Verdächtiger war schnell gefunden: der Ford nullt den Tageskilometerstand bei 2000 km automatisch. Das können wir uns sicher merken - selbst Stefan.

Es ist kurz vor 9 Uhr, als unsere Reise weitergeht. Selbstverständlich begleitet uns Regen. Aber besser während der Fahrt als bei der Ankunft. Beim Auschecken am Lone CP spricht uns ein Deutscher an, seiner Meinung nach haben wir am WoWa zu wenig Luft auf den Reifen. Stefan revidiert das mit der hohen Zuladung - wir haben aber auch viel Zeugs da drinnen. Noch ein kurzer Plausch über die vor uns liegenden Straßenverhältnisse und die Straßenlage unseres Gespanns, schließlich kommt der ältere Herr von dort wo wir hin wollen, dann geht es endlich los. Stefan zieht solche Gespräche aber auch immer an. Sabine passiert so etwas nicht - zum Glück. Die Leute fühlen sich von ihrem bösen Gesichtsausdruck abgeschreckt. Hat auch was Gutes. Wie ihr Studienbetreuer mal halb fragend, halb feststellend sagte: "Sie gehen zum Lachen wohl auch in den Keller!?" Aber wer sie näher kennt, weiß dass das nicht so ist.

Wir fahren auf der E16 Richtung Norden bis Vinje und verlassen diese dort, um weiter auf der L13 bis Vangsnes zu fahren.
Hinter dem schönen Ort Voss kommen wir an einem gut ausgebauten Skigebiet vorbei. Die Häuser am Hang haben wieder diese typischen begrünten Dächer - das gefällt uns wirklich sehr.
Danach treffen wir auf eine Schafherde, die auf der Straße frei umherläuft. Während einige brav am Staßenrand laufen brauchen andere die volle Breite. Wir müssen anhalten - ein großer Fehler, denn augenblicklich werden wir von den Schafen umzingelt. Ein Schaf macht es sich zwischen Auto und dam WoWa an der Deichsel bequem und lässt sich dort in aller Seelenruhe fotografieren.

Wir sehen vor uns schon den weiteren Straßenverlauf, der sich in vielen steilen Haarnadelkurven eine scheinbar senkrechte Wand hinaufschlängelt - eine erste Probe für die Traktion unserer neuen Reifen auf nasser Fahrbahn, die aber zu unserer vollsten Zufriedenheit verläuft. Problemlos fahren wir den Berg hinauf und sind nun auch etwas beruhigter in Hinsicht auf die Adlerstraße bei Geiranger, die wir ja unbedingt befahren wollen.






Auf dem Berg liegt wieder überall Schnee, zwar nur in einzelnen Aufschüttungen, aber immerhin. Die Temperatur beträgt 8°C.
An einer gut ausgebauten Stelle halten wir zu einer kurzen Pause an, fassen etwas Schnee an und lassen Honey schnell pinkeln - weiter geht`s.

Immer wieder sehen wir einzelne Hütten am Hang stehen, teilweise sogar neu errichtete. Was wohnen hier nur für Leute, so weit abseits von einfach allem. Oder werden die Hütten vielleicht nur als Ferienhäuser benutzt?! Schön ist es hier, keine Frage, aber die Landschaft und das Wetter sind mit dem Wort `rauh´ noch sehr schmeichelhaft beschrieben. Auf bestimmte Zeit hier zu wohnen wäre für uns vorstellbar, mehr aber nicht. Im Winter sind die Straßen hier oben ohnehin unpassierbar, das beweisen die vielen Schlagbäume an denen wir bereits vorbeigekommen sind.

Wir fahren seit einiger Zeit stetig Berg ab und Stefan befürchtet, dass unsere Bremsen stark leiden, deshalb entschließen wir uns an einer Gaststätte eine kurze Pause einzulegen um den Bremsen etwas Zeit zu geben und den Ausblick ins Tal und auf die vor uns liegende Strecke und den Ort Viksoyri zu genießen. Beim Anhalten stellen wir fest, dass unsere Bremsen tatsächlich schon qualmen - gute Entscheidung.




Wir haben in Vangnes die Fähre nach Hella erreicht, die gerade abfährt als wir ankommen. Beim Warten fällt uns wieder auf, dass die Toiletten in Norge immer kostenfrei sind. Zwar sind sie nicht immer wirklich sauber, aber sie erfüllen ihren Zweck.
Sabine macht ein kurzes Nickerchen während wir auf die Fähre warten und Stefan nutzt die Gelegenheit um sie für seine fotografischen Zwecke zu missbrauchen...





Die Sognefjordüberfahrt mit der Fähre dauert zwanzig Minuten. Hinter dem Ort Faerland fahren wir auf den Ersten von insgesamt fünf Gletschern zu, die wir heute sehen werden.
Als wir gute Sicht auf den Rossenipa haben hält Stefan knallhart mitten auf der Straße an um Bilder zu machen.


In dem kleinen Ort Skei machen wir dann eine Tankpause. Man muss sagen, dass wir bisher keine Probleme hatten eine Tankstelle zu finden, jedes größere Dorf scheint eine zu haben. Wir haben es uns zwar zur Regel gemacht an jeder Tankstelle zu halten, sobald wir weniger als die Hälfte im Tank haben, bisher wäre es aber nicht nötig gewesen. Ich denke aber, dass uns diese Strategie im hohen Norden, wo die Tankstellen definitiv weniger werden, noch zu Gute kommen wird.
Unser Appetit verleitet uns dazu je einen Hot Dog zu essen. Der Versuch das W-Lan der Tankstelle zu nutzen misslingt, es fordert ein Passwort, also fahren wir weiter.

In Olden entdecken wir dann im Fjord ein Kreuzfahrtschiff, das vor Anker liegt. Bei näherem Hinsehen erkennen wir, dass es die "Queen Victoria" ist.

Es ist 16 Uhr und wir erreichen unseren Campingplatz am Ende des langgezogenen Brikstals im gleichnamigen Ort Briksdal. Der Campingplatz ist der letzte Platz unmittelbar vor dem Gletscher.
Schon die Anfahrt durch das Brikstal entlang des herrlich schimmernden Gletschersees ist sehens- und erlebenswert. Die kurvige, enge aber gut ausgebaute Straße ist für Motorradfahrer sicher ein besonderer Genuss.

Der CP ist der bisher schönste, den wir je gesehen haben: Wären wir Immobilienmakler, würden wir immer wieder sagen : "Lage, Lage, Lage!".

Das Tal ist etwa 300 m breit, zu unserer Rechten befindet sich eine Steilwand mit einem Wasserfall, dem Vollfossen, er klingt, als würden riesige Felsbrocken ins Tal stürzen, weshalb er auch seinen Namen hat (Felsfall). Zur Linken haben wir den Briksdalgletscher mit seinen zahlreichen Wasserläufen und Wasserfällen. Direkt vor uns, aber doch gut 300 m hoch über uns liegt der bedrohlich wirkende Melkevollgletscher. Sein Schmelzwasser bildet einen Fluss, der direkt durch unseren CP fließt, sich später mit den anderen Wasserläufen vereint und gemeinsam durch das ganze Brikstal fließt. Die Farbe des Wassers ist durch das Gletscherwasser bestimmt und so sehr wir auch suchen, wir finden keine passende Beschreibung - was für ein Ort!!!

Wir haben bereits einen Rundgang auf dem Platz gemacht und uns die schönen separaten Terassen des Campinggeländes angesehen. Auf den Gelände befindet sich sogar ein eigener Boulderpark mit riesigen Felsbroken, die der Gletscher hier vor unzähligen Jahren ausgespuckt hat. Das felsige Areal mit seinen vielen Ebenen wird immer wieder durch Sitzgruppen mit unbeschreiblichen Aussichten aufgelockert, die zum Genießen einladen.

Wir wollen nachher noch zu einer Wanderung zum Briksdalgletscher aufbrechen und warten darauf, dass der Regen, der mittlerweile zu unserem treuesten Begleiter geworden ist, etwas nachlässt. Daumen drücken!

Wissenswertes zum Vollfossen:
Der Vollfossen fällt insgesamt 300 m in die Tiefe, davon mehr als 180m frei. Die Geräusche des Wasserfalls, erinnern an Gewittergrollen, treten nicht permanent sondern nur gelegentlich auf und werden von Meteorologen zur Vorhersage des Wetters genutzt. Wenn sich z.B. Regen ankündigt, dann ist der Wasserfall besonders intensiv und laut zu hören - kein Quatsch!

19.30 Uhr brechen wir zum Gletscher auf. Ob es Regen ist, den wir im Gesicht haben, oder mittlerweile nur noch dir Gischt, die von den unzähligen Wasserfällen durchs Tal treibt, ist unklar.
Ein Wegweiser bereitet uns auf 45 Minuten wandern vor - und die brauchen wir, trotz strammen Schrittes, auch. Der Weg ist ncht zu unterschätzen und führt stetig und nicht enden wollend bergauf. Das mttlerweile wirklich schlechte Wetter tut sein übriges. Für Lauffaule gibt es auch einen Shuttleservice mit ATVs bis zum Gletscherfuß. Heute ist zum Glück aber nichts los. Wenn am Ende des Tals die Kreuzfahrtschiffe im Fjord halten und die Tagesausflügler einfallen sieht es hier sicher anders aus.

Immer wieder bleiben wir stehen, genießen den tollen Ausblick in alle Richtungen und machen Bilder.
Am Gletscher angekommen müssen wir uns wegen des extremen Windes weit nach vorn überbeugen um nicht umgeworfen zu werden. Leider kommen wir nicht bis unmittelbar an den Gletscher heran, man könnte zwar, müsste aber eine Absperrung umgehen und sich dann auf eigene Verantwortung dem Steinschlag aussetzen. Wir stehen trotzdem nur etwa 100 m vom Eis entfernt. Neben uns der Gletscherfluss mit dieser unbeschreiblichen Farbe.
Wir machen ein paar unvergessliche Bilder, die aber in keiner Weise darstellen wie schlecht das Wetter dort war. Es hat uns Überwindung gekostet für das Bild überhaupt die Augen zu öffnen.

Lange halten wir es nicht aus. Es regnet stark und der Wind macht es nicht besser, also zurück zur warmen Dusche und dem Abendessen.

Honey haben wir während des Ausflugs im Wohnwagen warten lassen, wir sind sicher, dass diese Entscheidung ganz in ihrem Interesse war. Man merkt unserem alten Mädchen noch immer den Ausflug nach Bergen an und den beschwerlichen Weg zum Gletscher hätten ihre fast elf Jahre alten Knochen sicher nicht mitgemacht.

Wir sind von dem Campingplatz mehr als begeistert, auch die Sanitäranlagen sind gut. Man kann Temperatur und Menge des Wassers frei wählen. Es gibt sogar eine kostenlose Sauna, die jeden Abend angeheizt wird. Wir können nicht verstehen, warum der Platz nur 1,5 Sterne im Campingführer hat.

Der Campingplatz und das Brikstal bekommen von uns eine absolute Reiseempfehlung! Wer dort in der Nähe ist sollte diese beeindruckende Landschaft unbedingt einmal mit eigenen Augen sehen!

Kosten des Tages:

Fähre nach Hella                      23 €
Tanken                              90,60 €
2x Hot Dog                        10,50 €
Campingplatz                      28,75 €
                             _______________
                                      152,85 €

 
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