unser Reisetagebuch

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Tag 17 - Silauliau

Nordkap 2013

15.07.2013, Kilometer: 6865

09.15 Uhr Abfahrt

Heute soll unsere Strecke 400 km lang sein. 400 baltische Kilometer und die sind nicht zu unterschätzen. In Tallin fahren wir auf die hier noch gut ausgebaute Villa Baltica, die Baltikumstraße. Wir kommen gut voran, auch wenn wir zu 95 % auf einer Landstraße fahren. Der Reiseführer war da optimistischer. Etwa zum Mittag passieren wir die Grenze nach Lettland. Lettland ist für uns ein reines Transitland. Im Allgemeinen halten wir uns ja nicht wirklich lange im Baltikum auf. Wir sind deswegen auch nicht sonderlich traurig. Zwar schwärmen viele Caravanisten und andere Reisende von der Schönheit der drei Länder, wir bekommen davon aber nicht sonderlich viel mit. Ganz bestimmt sind die vielen Orte an der Ostseeküste auch sehr schick gemacht und sehenswert. Auch die Hauptstätte Tallin und Riga, durch die wir fahren sind sehr schön und sicher eine Reise wert. Aber sind wir mal realistisch. Wenn wir Lust auf eine Städtereise haben, dann fahren, zumindest wir beide, nicht nach Riga.
Das Hinterland hängt seiner Zeit noch sehr hinterher und der Hauch des Ostblocks liegt irgendwie über allem. Wie man es auch dreht, wir werden mit dem Baltikum nicht warm. Lettland erscheint im Vergleich zu Estland noch um einiges ärmlicher, was man auch sofort an den Straßen merkt. Wir werden bald unser blaues Wunder erleben! Schon in Riga fällt uns auf, dass der Wohnwagen seltsame Schaukelbewegungen in Längsrichtung macht. Wir schenken dem aber noch wenig Beachtung. Wir fahren aus Riga raus und schnurstracks in Richtung Grenze. Die Straßen bestehen mehr aus Schlaglöchern als aus Asphalt und wir sind auf einer Europastraße!
Das Schaukeln des Wohnwagens beunruhigt uns immer mehr, wir machen eine Pause. Beim ersten Blick wird es sofort klar, etwas an der Aufhängung des Wohnwagens ist durch die Erschütterungen gebrochen. Unsere Deichsel erinnert an ein Ypsilon, wobei am Ende der beiden kurzen Seiten die Achse sitzt, mit je einer geschweißten Verbindung. Zwischen der Achse und dem langen Schenkel des Ypsilon ist noch ein weiterer Querträger auf dem die Kabine aufliegt und an zwei Punkten geschweißt ist. Diese Punkte sind gebrochen. Dass heißt, der Wohnwagen hängt nur noch am Ende der kurzen Schenkel des Ypsilon und die Kabine wippt in Längsrichtung. Bei jeder dieser Bewegungen drohen die Enden des Ypsilon abzureißen, weil sich die Träger dabei verwinden. Wir haben die vordere Querverbindung mit 3,5t - Zurrgurten und Ratschen wieder an der Deichsel befestigt um das Wippen zu unterbinden und ein Brechen der letzten Nahtstellen zu verhindern. Fahrprobe…unsere Konstruktion scheint zu halten. Wir erreichen Litauen und haben noch 120 km bis zum ersten Ziel des Tages, dem Berg der Kreuze. Wir erreichen ihn um etwa 16 Uhr. Der Berg ist mit wahrscheinlich hunderttausenden Kreuzen bedeckt.

Von dort aus soll es zu unserem nächsten Campingplatz bei einer kleinen Pension gehen. Wir können ihn aber nicht finden. An einer Tankstelle spricht Stefan zwei Zollbeamte an – auf englisch. Diese Verständigung klappt aber gar nicht, weil die englische Sprache, nicht mal in Grundzügen, zum Repertoire der Litauer zu gehören scheint. Stefan zeigt den beiden die Adresse des Campingplatzes und durch Winken und dem Wort „follow“ machen uns die beiden klar, dass sie uns dort hinführen werden. Sie lotsen uns zu der Anlage. Durch Winken und Hupen Bedanken wir uns für die Hilfe. Ob das in Deutschland auch so unkompliziert geklappt hätte?
Vor uns liegt ein schöner parkähnlicher Campingplatz im Grünen mit angrenzendem Pensionszimmer. Alles in familiärer Atmosphäre mit lediglich drei anderen Campern. Wir zahlen 18 €, duschen inklusive. Perfekt. Wir sind sehr zufrieden, nachdem wir gestern auf dem Hafencampingplatz in Tallin keine Duschmöglichkeit hatten.
Neben uns stehen Dresdner. Sie machen schnell klar, dass Honey für sie ein Problem darstellt. Die Frau hat Angst, dass unsere Hündin zu ihnen kommt. Ähnliche Erlebnisse hatten die beiden wohl schon. Da Honey auf Campingplätzen aber immer an einer zehn Meter langen und durch Knoten individuell verkürzbaren Leine an der Deichsel des Wohnwagens befestigt war und dies auch in Litauen durch uns so gehandhabt wurde, konnten wir den beiden die Sorgen über einen unfreiwilligen Hundekontakt nehmen. Dennoch werden wir mit ihnen nicht mehr warm, aber wir haben auch andere Sorgen. Nämlich die zwei gebrochen Schweißverbindungen und einer damit gefährdeten Weiterfahrt. Sabine sieht den Zeitplan ins Wanken geraten und einem längeren Aufenthalt in Litauen entgegen. Aber zurück zu unserem Problem: Stefan schaut sich den Wohnwagen noch einmal genauer an und kann auch an den letzten beiden Schweißstellen schon Ermüdungen finden. Wir erneuern und verbessern unsere Zurrbandkonstruktion. Wir wollen morgen eine Werkstatt aufsuchen und den Unterboden schweißen lassen. Hoffentlich können wir den Werkstattmitarbeitern dann auch klarmachen was wir wollen.
Den Rest des Abends lassen wir gemütlich ausklingen. Es gibt Hackbraten, zwar nicht von Mutti, sondern aus der Dose, aber es gibt schlimmeres. Die Sonne tut ihr übriges zu einem gelungenen Abend dazu.

Kosten des Tages:

Tanken             67,17 €
CP                    18,00 €
               ____________
                       85,17 €

 
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