unser Reisetagebuch

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

Tag 12 - Nordkap

Nordkap 2013

10.07.2013, Kilometerstand: 4890

Wir verlassen diesen schönen Ort nach einer verdammt kalten Nacht. Auch jetzt am Morgen sind die Temperaturen nur einstellig.
Die Gegend, durch die wir jetzt fahren, bleibt schön, die scheinbar endlosen Straßen entlang der Fjorde sind sehr sehenswert und unserer Meinung nach viel schöner als die viel gepriesene Atlantikstraße.
Kurz vor dem Nordkaptunnel entdecken wir am Straßenrand ein überfahrenes Ren - das Geweih fehlt allerdings schon ;-).

Unterwegs machen wir an einem Souvenirshop halt, in dem man verschiedene handgemachte Schmuckstücke, aber auch Trockenfisch kaufen kann. Wir nehmen eine Kostprobe mit. Um es kurz zu machen: wir werden uns nicht zum Geschmack äußern, diese Erfahrung sollte jeder einmal selbst machen ;-). Im Nachhinein hatten dieses Geschmacksvergnügen schon viele unserer Gäste. Und keiner wollte eine zweites Stück Trockenfisch...

Wir fahren in den Nordkaptunnel ein, sieben Kilometer lang und 212 Meter breit. Der Tunnel ist seit einiger Zeit kostenfrei! In Norwegen werden Brücken und Tunnel mit einer Maut belegt und sobald die Anschaffungskosten eingenommen wurden entfällt die Maut und die Brücke oder der Tunnel sind fortan zur kostenlosen Benutzung freigegeben - ein tolles System!

Kurz vor Honnigsvag machen wir eine Pinkelpause und wir erleben eine weitere böse Überraschung: Unser Küchenschrank für Kleinteile wie Gewürze und ähliches hat sich über dem Boden ergossen. Salz ist ab sofort alle und im Wohnwagen riecht es wie auf einem türkischen Basar.
Nützt nichts, wir räumen alles wieder ein und hoffen, dass der Klemmverschluss diesmal hält.

In Honnigsvag besuchen wir einen Souvenirshop und das Nordkapmuseum. Es ist recht klein, aber liebevoll gestaltet und befasst sich mit dem Leben und der Fischerei am Nordkap. In besonderer Erinnerung bleibt uns die Erzählung der Geschichte eines Kriegshundes aus dem 2. Weltkrieg.

Beim Verlassen des Parkplatzes will uns die Parkuhr oder besser gesagt die Schranke nicht gehen lassen. Stefan beleidigt dieses Teufelsgerät und all seine Verwandten - funktioniert, die Schranke öffnet sich, wir fahren weiter...

Wir erreichen unseren Campingplatz für diese Nacht: Nordkapp Camping - der nördlichste Campingplatz der Welt!
Es ist mittlerweile sehr windig geworden, wie wir später noch feststellen werden ist das nicht nur auf dem CP der Fall.
Der Platz ist vollkommen in Ordnung, es gibt eine Rezeption mit Restaurant und kleinem Shop, vernünftige Sanitärräume, einige Hütten zum Mieten und reichlich Stellplätze mit Strom. Von hier aus sind es nur dreizehn Kilometer zum Nordkap, also ein optimaler Startpunkt.

Wir machen uns auf den Weg, die letzten Kilometer in nördlicher Richtung, dann ist der Wendepunkt unserer Reise erreicht - ein komisches Gefühl.
Am Nordkap bezahlen wir 30 € Eintritt pro Person um auf das Nordkapplateau zu kommen. Das Ticket gilt aber 48 Stunden und so könnn wir zur Mtternachtssonne wiederkommen ohne erneut zu bezahlen.
Der eigentlich nördlichste Punkt Europas ist aber nicht wirklich das Nordkap, sondern eine unscheinbare Landzunge ein paar Kilometer nordwestlich. Das Problem ist nur, dass man nicht mit dem Auto herankommt. Man muss wandern, hin und zurück rund zwanzig Kilometer, dafür kassiert dort niemand Eintritt. Für uns aber keine Option.

Wir erkunden die Nordkaphalle, ein fantastisches Gebäude! Nur ein Bruchteil des eigentlichen Gebäudes befindet sich an der Oberfläche. Etwa zwei drittel befinden sich unterirdisch auf mehreren Ebenen.
Hier wurde offensichlich richtig investiert! Das Gebäude selbst ist einfach der Hammer, es gibt eine Kristall-Kapelle in der sogar geheiratet werden kann,ein Restaurant, eine Cocktailbar, ein eigenes kostenloses Panoramakino und und und.
Der 15-minütige Film im Kino startet grad als wir ankommen. Er lebt von seinen beeindruckenden Bildern und ist unkommentiert. Man bekommt Bilder vom Nordkap im Wandel der Jahreszeiten und der gesamten Umgebung zu sehen - großartiger Film, den sollte man gesehen haben.
In einem Souvenirshop kaufen wir uns dann jede Menge Postkarten für alle Freunde, Verwandten und Bekannten, die wir Mitternacht dann hier abschicken wollen, es gibt heute also eine extra Portion Schreibkram zu leisten. In dem besagten Shop erwerben wir beide auch ein Nordkap-Diplom, als Beweis, dass wir vor Ort waren. Die Poststelle stempelt tagesaktuell ab und gibt dem Diplom eine gewisse Förmlichkeit.

Zu guter Letzt geht`s zum eigentlichen Nordkap und der berühmten Weltkugel. Der eisige Wind bläst gewaltig und lange hält man es nicht aus. Leider ist das Wetter (noch) nicht sooo gut, es nieselt etwas und es ist bewölkt - schön die Mütze festhalten! Wir kommen mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch um gegenseitig Bilder vor der Weltkugel zu machen, die beiden kommen aus Australien - von viel weiter weg kann man sicher nicht kommen! Sabine macht  Bilder für einen spanischen Motorradfahrer. Sie spricht englisch, er spanisch. Beide verstehen kein Wort, aber sein Daumen signalisiert, dass die Bilder wohl ganz in Ordnung sind.

Wir reisen vorerst ab, schließlich war der erste Besuch ja nur unserer Neugier geschuldet. Auf dem Weg zum Campingplatz kommt uns ein Fahrradfahrer entgegen. Er erkennt uns, bevor wir ihn erkennen: der Havelländer, den wir in Alta kennengelernt haben!!! Was für ein Teufelskerl! Er hat die selbe Strecke mit dem Fahrrad zurückgelegt, die wir mit dem Auto gefahren sind, in der selben Zeit! Wir grüßen uns gegenseitig überschwänglich und hoffen ihn um Mitternacht wiederzusehen.

Während wir wieder im Wohnwagen sitzen und Postkarten schreiben dreht der Wind noch einmal ordentlich auf. Trotz ausgefahrener Stützen wackelt unser Wohnwagen wie der Wagon einer alten Bimmelbahn. Man kann sich kaum auf den Beinen halten. Wir machen uns so langsam hübsch, denn wenn wir heute schon tief in die Reisekasse greifen, dann so richtig: wir gehen in dem Restaurant auf dem Campingplatz essen, es gibt Rentiersteak - sehr köstlich!

Mit Ren im Bauch warten wir im Wohnwagen auf Mitternacht um zum Kap zu fahren und chillen in den Abend hinein. Der Wind wird wirklich immer stärker und Sabine redet mir schon ein, dass uns das Dach wegfliegen wird. Die einzelnen Platten werden wirklich bedrohlich vom Wind in alle Richtungen gerissen - hoffentlich hält`s.

Dann ist es soweit, wir brechen zum Kap auf, um die Mitternachtssonne zu sehen, das Wetter verspricht aber nichts Gutes, naja mal sehen...
Wir sind bei der Ankunft total baff, wie viele Rentner-Busse auf dem Parkplatz vor der Halle stehen. Das können gut und gerne 100 Busse sein, die hier riesige Menschenmassen angekarrt haben - unvorstellbar. Im Foyer war es dementsprechend laut und unübersichtlich. Waren wir am Nachmittag noch fast allein, ist jetzt kaum noch Platz. Nichts desto trotz schicken wir unsere Postkarten an Freunde und Verwandte wie versprochen von hier aus auf die Reise.

Wir sind in die große Halle am Ende des Kaps gegangen. Die Halle ist wie ein Theater aufgebaut und auf der Bühne ist in Vorhang hinter dem sich eine große Fensterscheibe verbirgt. Um Mitternacht soll sich der Vorhang lüften und den Blick auf die Sonne freigeben (hat zumindest das Internet versprochen). Klingt toll, leider öffnet sich heute nichts. Wir warten vergebens... warum werden wir nie erfahren. Naja, macht nichts, dann gehen wir halt einfach so raus. Wir holen vorher aber noch Honey aus dem Auto, schließlich soll sie ja auch ein Beweisbild haben! Als wir aus der Halle kommen stellen wir voller Freude fest, dass der Wind die Wolken vertrieben hat und nun kurz vor Mitternacht blauer Himmel ist - darauf kann man hier unter Umständen Wochen warten, wir haben also absolutes Glück.

Im Verlauf der nächsten Stunde machen wir Bilder, die wir wohl den Rest unseres Lebens nicht vergessen werden. Die Magie des Nordkaps ist mit Worten nicht zu beschreiben, weshalb wir es gar nicht versuchen werden. Schaut euch einfach die Bilder an und seht selbst:

Kosten des Tages:

Trockenfisch         4,88 €
Tanken                 113 €
Nordkapmuseum      12 €
Parkticket             1,75 €
CP                     28,75 €
Nordkap             61,25 €
Souvenirs           60,63 €
Autoaufkleber       5,63 €
Rentieressen       48,50 €
              _______________
                       336,39 €

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü