unser Reisetagebuch

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Tag 11 - Hammerfest

Nordkap 2013

09.07.2013, Kilometer: 4713

Nach unserer immer gleichen Frühstückszeremonie mit vier Brötchen, weich gekochten Eiern, Nutella, Honig, Kirschsaft und der Kirschmarmelade starten wir 09.35 Uhr in den Tag. Heute liegen nur 142 km bis zum Tagesziel, Hammerfest, vor uns, also viel Zeit zum rumbummeln.
Die Straßenverhältnisse hier oben sind wie in den letzten Tagen, seit wir Fjordnorwegen verlassen haben, sehr gut. Das liegt nicht an der Beschaffenheit der Straße sondern vielmehr an den wenigen Kurven, Fähren und engen Stellen.

Wir fahren durch eine prärieartige Landschaft. Soweit das Auge reicht sieht man nur karges, flaches Land, bewachsen mit Moosen und Rentierflechte, gelegentlich kommen noch Büsche vor, aber Bäume sehen wir hier weit und breit keine mehr. Uns gefällt diese rauhe Landschaft mit ihrer endlosen Einsamkeit besonders gut, auch wenn man zugeben mus, dass man nie ganz allein ist, die Rentiere sind mittlerweile fester Bestandteil der Szenerie. Wir finden es super und nutzen fast jede Gelegenheit um Fotos von den Rens in all ihren Farbvarianten zu machen.

Schon 12 Uhr erreichen wir Hammerfest. Die Anfahrt über die kurvige Küstenstraße ist sehr schön und hinter jeder Kurve vermutet man die Stadt, bis sie dann letztendlich vor einem auftaucht. Von einem Berg aus fahren wir hinunter in die Hafenstadt und bekommen einen ersten Überblick, der uns sehr gefällt. Die Stadt liegt malerisch in einer Bucht am Fjord und macht einen lebhaften, modernen Eindruck. Die strahlende Sonne unterstreicht das Bild - herrlich!

Einen ersten Halt machen wir an der Kirche in Hammerfest, sie liegt quasi unmittelbar am Ortseingang und ist nicht zu übersehen. Anders als in Tromsö ist hier auch der Eintritt frei. Die Architektur der Kirche ist einem Gerüst nachempfunden, auf dem Fische getrocknet werden. Der Besuch lohnt sich wirklich sehr, die Mosaikfenster und die Orgel sind sehr sehenswert.

Der Kirchenausflug ist beendet, nun wieder zu den weltlichen Vergnügungsmöglichkeiten..

Hammerfest bezeichnet sich selbst als nördlichste Stadt der Welt, was aber in mehrerlei Hinsicht nicht stimmt. Zum Einen gibt es in Alaska und Russland nördlichere Städte und zum Anderen ist Honnigsvag vor einiger Zeit zur Stadt ernannt worden und da sie ebenfalls nördlicher liegt als Hammerfest, ist der Titel weg. Man hat sich aber mit Honnigsvag geeinigt und so darf Hammerfest weiterhin damit werben, die nördlichste Stadt Europas zu sein. Wie dem auch sei, unserer Meinung nach ist sie auf jeden Fall eine der schönsten Städte, die wir so hoch im Norden je gesehen haben. Zudem erhielt Hammerfest als erste Stadt Nordeuropas eine elektrische Straßenbeleuchtung.

Den nächsten Halt machen wir direkt im Zentrum der Stadt, hier einen Parkplatz für unser Gespann zu finden ist nicht ganz einfach, aber neben dem Hurtigrutenanleger, also etwa 300 m in südlicher Richtung ist direkt am Kai ein großzügiger Parkplatz, den wir gern annehmen.
Gerade als wir am Anleger der Hurtigrutenschiffe vorbeischlendern, legt die "Midnatsol" ab, sie fährt uns voraus gen Norden.
Unmittelbar am Anlegen finden wir dann auch, worauf wir uns schon in Deutschland gefreut haben - das Touristenbüro. In dem befindet sich nämlich auch der Royal Icebearclub of Hammerfest und das zugehörige Museum.
Der Eisbärenclub ist ein exklusiver Club, in dem nur Mitglied werden kann, wer sich vor Ort in das Mitgliedsbuch einträgt! Elvis wollte seiner Zeit Mitglied werden, wurde aber abgelehnt, weil er nicht in Hammerfest war.
Der Club befasst sich mit einer Menge Projekten rund um den Schutz von Eisbären und der Arktis. Er umfasst rund 230.000 Mitglieder unter denen so manche Berühmtheit ist. In den Mitgliedsbüchern (sie liegen in einem Extraraum für jeden einsehbar aus) der vergangen Jahrzehnte finden wir einige der größten Abenteurer und Forscher ihrer Zeit, aber auch Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen.
Der Mitgliedsbeitrag kostet einmalig 180 NOK, dafür bekommt man aber ein Diplom, das vom Bürgermeister persönlich unterschrieben wurde, einen Mitgliedsausweis, einen Aufkleber und das wichtigste: den exklusiven Pin aus vergoldetem Silber und Emaille.

Das Museum im Inneren des Gebäudes befasst sich mit der Geschichte der Robbenjagd und der Seefahrt im Polarmeer. Alles sehr sehenswert und interessant. So gibt es zum Beispiel eine Sitzgruppe bezogen mit Robbenfellen und Stühlen aus der Haut von Steinbeißern. Die Fischhaut ist nach Känguruschwanz das strapazierfähigste Leder in der Tierwelt.

Glücklich nun endlich Mitglieder im Eisbärenclub zu sein, machen wir uns auf den Weg den Hafen und das Stadtzentrum zu erkunden. Die Stadt wirkt insgesamt sehr sauber, gepflegt und modern. Man merkt, dass sie eine Touristenstadt ist, schick hergerichtet und mit vielen Kunstobjekten für all die Besucher aufgepeppt, die hier täglich mit den Kreuzfahrtschiffen anlanden - toll!

Schlafen werden wir allerdings nicht in Hammerfest, sondern in Forsol, nur sieben Kilometer weiter. Von diesem Ort haben wir irgendwo im Internet gelesen, er soll einen fantastischen Strand haben, der ein echter Geheimtipp ist, weil man von dort aus einen tollen Blick auf die Mitternachtssonne hat - wir sind gespannt.
Der Ort selbst ist sehr gut ausgeschildert und wir sind in wenigen Minuten angekommen, der Strand hingegen ist nicht wirklich leicht zu finden und wir fahren unzählige Male in eine Straße, die sich am Ende als Sackgasse herausstellt.
Wir wollen aber verraten wie man hinkommt:
Via Straße 94 im Ort angekommen führt dirket am Ortseingang ein geschotterter Weg von einer kleinen Kreuzung nach rechts weg, der dann etwa 400 m geradeaus führt, bevor er eine scharfe Linkskurve macht. An dieser Linkskurve ist ein kleiner Parkplatz mit einem touristischen Hinweisschild - Ziel erreicht. Vom Parkplatz aus führt ein Trampelpfad durch ein kleines "Tal" mit historischen Stätten, die von einer Besiedlung der Samen im späten Mittelalter berichten. Nach etwa 300 m hat man ihn dann erreicht, den Strand von Forsol - einen der schönsten Orte, die Stefan auf der ganzen Welt je gesehen hat! er kann nicht anders und will ins Wasser, wenigstens mit den Beinen - eine schmerzhafte Erfahrung, hat das Wasser hier doch annähernd 0°C.

Nachdem wir unser Lager aufgebaut haben, beschließen wir auf den Felsen vor dem Strand noch etwas zu angeln. Stefan testet mit einem Wurf die Struktur unter Wasser und fängt prompt einen Seelachs - Hochstimmung! Hier fangen wir uns dumm und dämlich denken wir...zu früh gefreut, der Seelachs biss im Mittelwasser, deshalb hat Stefan nicht bemerkt, dass der Untergrund so felsig ist, dass ein Angeln kaum möglich ist. Wir reißen uns zusammen sicher zehn Montagen ab und fangen dabei nicht einen weiteren Fisch. Davon lassen wir uns die Stimmung an diesem tollen Ort aber nicht verderben, dann gibt es halt noch ein paar Wiener aus der Dose zum Seelachs.
Zurück am Wohnwagen machen wir Essen, es gibt Kartoffelbrei mit drei selbstgemachten Fischstäbchen pro Person und ein paar angebratenen Wienern. So frisch bekommt man den Fisch selten auf den Teller.

Stefans Exkurs zu den Fischstäbchen:
Ich will mal ein paar Worte zu den Fischstäbchen verlieren, die wir uns selbst gemacht haben. Wenn es bei uns Seelachs gibt, dann fast immer in Stäbchenform. Während die gekauften Fischstäbchen entweder aus verschiedenen Fischsorten zusammengebastelt sind oder aus Dorsch (Kabeljau) bestehen, sind die puren Seelachs-Stäbchen schon qualitativ besser als die gekauften.
Ich filetiere den Seelachs, so dass zwei Filets ohne jegliche Gräten entstehen, diese Filets schneide ich dann in Streifen. Die drei  `S´ nicht vergessen: säubern, säuern, salzen - auch in dieser Reihenfolge.
Danach paniere ich die Stückchen, wie Schnitzel, in Ei und Paniermehl. Drei Minuten pro Seite braten, fertig und köstlich - probiert es mal aus!

Der Rest des Abends verbringen wir mit Lesen und Relaxen. Mitternacht werden wir noch einmal an den Strand gehen um bei Mitternachtssonne rumzuknutschen und dann geht`s aber wirklich ins Bett.

Gute Nacht!

Kosten des Tages:

2x Eisbärenclub     45 €
                 _____________
                          45 €     

 
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