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Tag 10 - Alta

Nordkap 2013

08.07.2013, Kilometerstand: 4275

Die Nacht war, wie mittlerweile immer, sehr erholsam. Wir scheinen uns an das Bett im Wohnwagen gewöhnt zu haben und schlafen gut und durch.
Wie jeden Morgen starten wir auch heute etwa um 9 Uhr. Ziel ist Alta, einer der letzten größeren Orte im hohen Norden.

Etwa 13.20 Uhr befinden wir uns mitten auf einer Hochebene in der Nähe von Störstraumen, als es plötzlich und ohne Vorwarnung passiert: wir sehen die erste Gruppe Rentiere. In einer Kurve standen sie einfach so da, vielleicht zwanzig Tiere. Leider sorgt die eben bereits erwähnte Kurve und ein folgendes Fahrzeug dafür, dass wir nicht anhalten können um zu fotografieren. Wir sind uns aber sicher, dass wir noch reichlich Gelegenheit dazu bekommen werden. Also weiter Richtung Alta!

Im Übrigen fährt Sabine heute etwa die Hälfte der Strecke. Stefan braucht einfach mal eine Pause, immerhin haben wir just in diesem Moment 4588 km mit unserem Gespann zurückgelegt. Zeit für eine kurze Zwischenbilanz würden wir sagen:
Heute Morgen ist der rechte Scheinwerfer am Auto ausgefallen - macht nichts, wir fahren wie "damals" einfach mit Standlicht und Neblern!
Der Wohnwagen hat bisher das defekte Schloss am Schrank und eine undichte Stelle an einem der Lüftungsschlitze zu verzeichnen. Beides Sachen, die wir Zuhause sicher schnell beheben können. Hier müssen wir allerdings erstmal damit leben. Für einen 41 Jahre alten Wohnwagen ist das aber ganz in Ordnung.

Achso, nur damit kein falscher Eindruck entsteht: Sabine fährt nicht etwa so selten, weil sie eine schlechte Autofahrerin ist, sondern, weil Stefan der mit Abstand schlimmste Beifahrer unter der Sonne ist. Er bremst mit, klammert sich an alle Griffe, bekommt Schnappatmung und schlecht wird ihm auch noch. Naja, nur noch 80 km und wir haben endlich Alta erreicht.

Gegen 16 Uhr fahren wir dann auch schon in Alta rein, eine schöne kleine Stadt am Ende des Altafjords. Wir haben uns dazu entschieden heute auch noch eine Nacht auf einem Campingplatz zu verbringen, da wir morgen in Hammerfest frei stehen werden und mehr als ein Tag ohne Dusche ist für mindestens ein Besatzungsmitglied keine Option.

Wir entscheiden uns für den Alta River CP, der auf den ersten Blick wirklich schön ausgestattet und unmittelbar am Alta-River gelegen ist. Wir bezahlen 250 NOK für zwei Personen inklusive Strom und können uns den Platz selbst aussuchen - damit beginnt der Spaß...

Direkt am Fluß stehen bereits etwa zehn Camper dicht an dicht, lediglich ein Platz von etwa zehn Metern breite ist noch frei. Elegant und mit Auge parkt Stefan uns rückwärts ein und steigt aus, um die Heldentag zu bewundern, als plötzlich ein äußerst korpulenter Finne, nennen wir ihn einfach mal Mika Häkkinen, aus dem Wohnwagen neben uns auf uns zu kommt.
Mika baut sich mit all seiner Leibesfülle vor uns auf und meint auf passablem Deutsch, dass wir dort nicht stehen bleiben könnten. Wir müssten angeblich vier Meter Abstand zum Nachbarn einhalten. Aha, deswegen war der Platz also noch frei. In der ersten Schrecksekunde nimmt Stefan die Angelegenheit noch ernst und besonders als Sabine darauf drängt einfach umzuparken lenkt er fast ein... fast.
Schnell wird klar, dass niemand sonst vier Meter Abstand zu seinem Nachbarn einhält, also sagt Stefan das so auch Mika, der bis eben noch perfekt deutsch sprach, was sich promt verschlechtert - er versteht kein Wort mehr. Stefan wechslt auf englisch und erklärt erneut, dass sich sonst niemand daran hält und fragt, woher er auf diese vermeintliche Regelung kommt. Stille. Auf einmal spreizt Mika seine pummeligen Arme vom Torso, neigt sich bedrohlich nach vorn und starrt Stefan tief in die Augen! Wir spüren, dass er gleich auf Attacke schaltet und Stefan bereitet sich darauf vor ihn übers Knie zu legen. Plötzlich scheint sich der Dicke zu besinnen, der Blick verliert an Festigkeit und er dreht ab. Wortlos verschwindet er in seinem gut acht Meter langen Bangbus und zieht klarstellend alle Rollos zu unserer Seite zu.

Wir denken uns so, dass das nicht alles gewesen sein kann und holen den Präventivhammer raus: Wir gehen zur Rezeption und zaubern ängstliches Entsetzen in unsere Gesichter. Dort angekommen berichten wir der samischen Rezeptionistin voller Entsetzen, dass der große, böse Mann neben uns rumgebrüllt und uns bedroht hat, damit wir uns "verpissen". Das wäre sein Platz und wenn wir schon mal dabei waren erwähnt Stefan spontan, dass er uns Prügel angedroht hätte. Das volle Programm halt. Die Rezptionistin ist begeistert von unserer Lügengeschichte und springt auf den Zug auf. Wie der Zufall so will läuft grad der Betreiber des CP vorbei und mischt sich ein. Er will die Sache unverzüglich klären. Gemeinsam gehen wir zurück zum Platz und dort erteilt er uns und unserem Stellplatz Absolution.

Wie freuen uns schadenfroh darüber Mika auf ganzer Linie abgebacken zu haben und sind uns sicher, wenn der nochmal zuckt, dann fliegt er vom Platz.

Man könnte sagen: "Genug jetzt!", aber Stefan kann einfach nicht: wir haben noch den riesigen Pappkarton von Peppes Pizza aus Tromsö an Bord und den Stelle er in unser Fenster, auf die Seite, die Mika sehr gut einsehen kann. Er hofft, dass wir das Schwergewicht so vielleicht anlocken können, um eventuell auch noch ein Foto von ihm mach zu können. Leider bleibt uns dieser hochgenuß verwährt.

Wir machen im Wohnwagen eine kurze Bestandsaufnahme und beschließen die Stadtbesichtigung mit einem Einkauf zu verbinden. Viel ist es jedoch nicht, was wir brauchen. Lediglich ein paar Aufbackbrötchen, Getränke, unsere geliebte Kirschmarmelade und eine Packung Milch.

Unser erster Halt führt uns an die Tourist-Info, die seit Neuestem an ein Hotel angegliedert ist. Die Rezeptionistin ist jetzt also auch Info-Frau - suboptimal! Sie weiß eigentlich nicht mehr als wir und kann uns nur das Freilichtmuseum empfehlen, in dem über 6000 Felszeichnungen zu bewundern sind. 90 NOK pro Person für Felszeichnungen, die wir schon anderen Ortes gesehen haben sind uns aber einfach zu viel. Auch das Tirpitzmuseum soll sehenswert sein, kann uns aber irgendwie auch nicht so recht begeistern. Wir sind erschöpft, der Himmel ist grau, es nieselt leicht und windet stark - wir entschließen uns zu gammeln.
Als wir in unser Auto einsteigen wollen hält ein Radfahrer mit schwerem Gepäck vor uns und schaut lächelnd auf unser Kennzeichen. Wir sprechen ihn an. Er kommt aus Havelland, nur 80 Kilometer von unserem Zuhause entfernt. Er ist auf einer zehnwöchigen Fahrradtour via England zum Nordkap! Teufelskerl - sein langer Bart und das vom Wetter gegärbte Gesicht machen diese Geschichte authentisch. Er bleibt für die Nacht ebenfalls in Alta und will in spätestens in zwei Tagen am Nordkap sein (nur zur Info, es sind noch einige hundert Kilometer bis zum Nordkap!). Wir sind begeistert und wünschen ihm eine gute Reise.
Nach dem Einkauf geht es zurück zum WoWa und wir nutzen die Zeit um mal wieder gründlich aufzuräumen. Zum Abendessen gibt es leckeren Milchreis. Danach probieren wir uns noch im Brotbacken, dank der mitgebrachten Backmischung, die lediglich 350ml Wasser verlangt, klappt das auch problemlos. Es dauert zwar insgesamt etwas mehr als zwei Stunden, aber die Belohnung in Form eines frischen Bauernbrotes mit Leberwurst ist es wirklich wert! - Feierabend für heute.

Kosten des Tages:

Tanken            99,68 €
CP                   31,25 €
Einkauf            20,93 €
              _____________
                    151,86 €

 
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