unser Reisetagebuch

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Prolog

Nordkap 2013



Der erste gemeinsame Urlaub. Das kann gefährlich sein und eine Menge Aufschluss über den Patner und die Beziehung bringen. Aber nichts desto trotz, irgendwann macht man diesen ersten Urlaub. Ob nun nach wenigen Monaten Beziehung oder nach einigen Jahren. Man kommt nicht drumherum.
Stefan wollte schon immer mal ans Nordkap. Da Sabine leicht mit Begeisterung zu infizieren ist war die Idee schnell geboren. Die Planung dagegen wurde immer mal wieder umgeworfen. So sollte es eigentlich mit einem Leih-Wohnmobil ans Nordkap gehen. Wir nutzen einen Tag-der-offenen-Tür bei einem Wohnmobilhändler und -verleiher in unserer Nähe. Schöne WoMos haben wir gesehen, aber die Preise waren einfach nicht zu fassen. Allein das Aussleihen für unsere Tour hätte gut 3000 € gekostet. Und selbst dann wäre die Frage gewesen ob wir überhaupt unser Wunsch-WoMo bekommen hätten, da noch nicht feststand wann uns unsere Arbeitgeber Sommerurlaub gewähren. Somit konnten wir nicht wirklich zeitig buchen und hätten das für Verleihverhältnisse recht kurzfristig umsetzen müssen. Naja, und der Preis war uns wirklich ein Dorn im Auge. Während einer abendlichen Diskussion über den einfach zu hohen Preis kam uns die Idee, dass unsere Münsterland-Lady ja auch weiterhelfen könnte. Zumindest hätten wir so keine Ausleihkosten und währen mit dem PKW bei Stadtbesuchen viel flexibler, als mit einem WoMo. Kurz die Pros und Kontras aufgestellt und aus dem kurzen Spleen wurden konkrete Pläne. So war klar unsere beiden alten Ladys (Wohnwagen und Honey) begleiten uns zum Nordkap. Nach einigen Internetrecherchen wurde aus der Nordkapreiseidee eine Kombination aus Nordkaptour und Ostseeumrundung.

Bei der Routenplanung haben wir den Schwerpunkt auf Skandinavien und hier ins Besondere auf Norwegen gelegt. Die erste Frage, die wir klären mussten war, ob wir mit der Fähre nach Dänemark, oder gar nach Schweden fahren, oder mit dem Auto über die Großer-Belt-Brücke und die Öresundbrücke fahren. Preislich nehmen sich beide Varianten nicht viel und so fiel die Entscheidung zugunsten der Brücken aus. Schließlich ist es ja auch ein Erlebnis über die größte Hängebrücke Europas zu fahren.
Weiter geht es dann durch die schöne südschwedische Schärenlandschaft Richtung Oslo, größere Städte wie Malmö oder Göteborg haben wir bewusst ausgelassen, schießlich wollen wir keine Städtereise machen. Von Oslo aus fahren wir über die sogenannte Abenteuerstraße, der E7, quer durch Norwegen bis an die Westküste nach Bergen. Hier werden wir uns den alten Hansestadtteil Bryggen und die vielen Highlights Bergens anschauen und vielleicht etwas länger bleiben. Von Bergen aus fahren wir die nächsten paar tausend Kilometer Richtung Norden. Wir wollen die Adlerstraße bei Geiranger, die Atllantikstraße, die schon mehrfach zur schönsten Straße der Welt gewählt wurde, und natürlich den Trollstieg befahren. Der Weg führt uns vorbei an Trondheim, über den Polarkreis, nach Tromsö, dem Tor zum Polarmeer, durch Hammerfest, der vermeintlich nördlichsten Stadt der Welt und letztendlich zum Nordkap.
Ab jetzt geht es nicht weiter gen Norden, wir erreichen dort 71°N und damit den Wendepunkt unserer Reise. Vom Nordkap aus fahren wir via Karasjok nach Finnland und wollen dort am Inarisee den ersten Halt in Finnland machen. Weiter gehts zum Weihnachtsmann nach Rovaniemi, wo wir dann wieder den Polarkreis passieren. Ziel ist es in Helsinki mit der Fähre nach Tallin zu fahren. Wenn wir kleinlich wären, dann müssten wir, um die Ostsee komplett zu umrunden, durch St. Petersburg fahren. Sicher eine schöne und sehenswerte Stadt, aber die Einreise nach Russland allein ist schon nicht ganz einfach, mit Auto, Wohnwagen und Hund wird es aber zum echten Problem. Der Aufwand ist uns für einen Tag einfach zu groß, deshalb gibts die Fährüberfahrt. Wir könnten jetzt noch einige Tage im Baltikum verbringen, entscheiden uns aber dagegen. Nach vielen Tagen des Autofahrens werden wir die drei baltischen Länder, Estland, Lettland und Litauen, nur durchfahren um möglichst schnell nach Polen zu kommen. Dort wollen wir die letzten Urlaubstage in der Masurischen Seenplatte ganz entspannt ausklingen lassen bevor es dann wieder zurück in die Heimat geht.

Wenn die Routenplanung das Skelett ist, dann sind die Sehenswürdigkeiten das Fleisch. Nachdem wir nun also die grobe Reiseroute festgelegt haben, gilt es nun die Tour mit allerhand Sehenswertem auszustatten. Hierfür haben wir uns eine ganze Reihe von Reiseführern zugelegt und durchgearbeitet. Ausgezeichnete Erfahrungen haben wir bisher mit den Handbüchern von Reise know how gemacht.  Das Ausarbeiten der Feinheiten unserer Reise ist zwar eine langwierige Prozedur, in der man mal hier, mal dort recherchiert und immer wieder Rückschläge einstecken muss, es schafft aber auch verdammt viel Vorfreude auf die Reise. Je mehr man sich in das Thema einarbeitet, desto mehr Freude bereitet schon diese, sonst lästige Vorarbeit.

Ein nicht zu vernachlässigender Vorbereitungsfaktor ist der Hund. Die skandinavischen Länder bieten hier einige Besonderheiten was die Einfuhr von Tieren angeht. Bis vor einiger Zeit war es für eine Einreise nach Norwegen sogar noch notwendig den Tituswert im Blut bestimmen zu lassen. Dieser soll Aufschluss über den aktuellen Tollwut-Antikörperstand geben. Für Skandinavien war bei unserer Reise nur eine tierärztliche Wurmkurgabe mit Eintrag in den EU-Heimtierpass erforderlich. Die Anforderungen sind aber davon abhängig von welchem Land aus man einreist. Die vielen Abhandlungen dazu, die sich im Internet finden lassen haben uns nur Fragezeichen aufs Gesicht gezeichnet. Wir haben sogar die finnische Botschaft in Deutschland per E-Mail kontaktiert. Diese verwies uns an den finnischen Zoll. Aber wie soll man ein Problem das in deustch schon nicht so einfach zu erklären ist auf englisch beschreiben. Also haben wir weiter im world-wide-web gesucht und wurden auf den Seiten des ADAC fündig. Auch unsere Tierärztin erwies sich als recht kompetent. Am Ende stellt es sich so dar, dass wir für Dänemark, Lettland, Litauen, Estland, Schweden und Polen nur einen gültigen EU-Heimtierausweis, einen gechipten Hund und eine gültige Tollwutimpfing benötigen. Für Norwegen muss der Hund bis max. 5 Tage vor Einreise nach Norwegen unter tierärtzlicher Aufsicht entwurmt werden (mit anschließendem Eintrag in den EU-Heimtierausweis). Diese Entwurmung musste wenn man am siebten Tag noch in Norwegen ist bei einem ortsansässigen Tierarzt wiederholt werden. Für die Einreise nach Finnland muss der Hund ebenfalls entwurmt werden - mit tierärztlicher Bestätigung. Da wir aber von Norwegen aus nach Finnland einreisen wollten erübrigt sich das. Zum Glück. Den Hund in wenigen Tagen drei mal zu entwurmen halten wir doch für fragwürdig. Aber der vernünftige Hundehalter sollte doch den Vorgaben der fuchsbandwurmfreien Länder nachkommen. Wären wir nach Great Britain gereist hätten Honey einige Tage in Quarantäne bevorgestanden. So waren es nur der Tierarztbesuch und die Wurmkur.

Die Route steht, Sehenswürdigkeiten gibts zur Genüge, Honey ist versorgt, fehlt nur noch die Ausrüstung.
Wir wollen hier keine komplette Ausrüstungsliste erstellen, aber doch auf ein paar Dinge eingehen.
Bei einer derart langen Autoreise ist es selbstverständlich, dass wir das Auto vorher nochmal gründlich durchchecken lassen. Wir haben neue Sommerreifen aufziehen lassen, einen Ersatzreifen für PKW und Wohnwagen dabei und im Wohnwagen ein ganzes Sortiment an Werkzeug. Als wirklich nützlich haben sich Zurrbänder mit Ratsche herausgestellt. Mit ihnen kann man nicht nur alles mögliche Befestigen, sondern mittels "schweizer Flaschenzug" auch mal das Auto aus einer festgefahrenen Situation bergen. Immer dabei haben wir auch das gute alte Panzertape, ich bin sicher, man könnte ein Buch darüber schreiben, wofür man dieses Teufelszeug verwenden kann.
Sabine hat uns eine durchdachte Reiseapotheke zusammengestellt, die bei den üblichen kleineren Problemchen Abhilfe schaffen soll.
Von einem Freund haben wir uns ein Notstromaggregat geliehen, das wir dafür nutzen wollen den WoWa mit 230 V zu versorgen, wenn wir frei stehen. Im Epilog findest Du dann das Fazit zu dem Notstromaggregat, ob es wirklich nötig war und wie wir in Zukunft unser Strom-Problem lösen würden.
Im Vorfeld haben wir uns die Adressen und Telefonnummern der deutschen Botschaften in den jeweiligen Ländern, sowie einige andere wichtige Nummern aufgeschrieben. Man soll es kaum glauben, aber die Botschaft kann einem manches Mal den Arsch retten, wenn sonst nichts mehr geht. Stefan erinnert sich da an Thailand 2007, aber das ist eine andere Geschichte.

Da wir durch viele verschiedene Klimazonen reisen müssen wir, auch was unsere Kleidung angeht, von der Badehose bis zur Wintermütze an alles denken. Zusätzlich nehmen wir noch unsere Kletter- und Eiskletterausrüstung, sämtliche Utensilien zum Wandern sowie Teile der Norwegen-Angelausrüstung mit. Es ist nicht so, dass wir krampfhaft klettern wollen, aber lieber haben als brauchen lautet hier die Devise.

Da die Lebensmittel in Skandinavien um ein Vielfache teurer sind als in Deutschland haben wir uns dazu entschieden so viel wie Möglich in Deutschland einzukaufen und dabei darauf zu achten, dass alles lange haltbar ist, auch ohne Kühlung, denn wie unter der Rubrik "unser Wohnwagen" beschrieben, läuft unser Kühlschrank im ML nur mit 230 V.
Die Wahl fällt dabei auf allerhand Konservendosen. Wir kaufen verschiedene Suppen, komplette Menüs und diverse einzelne Speisen. Die Konservenindustrie ist ja quasi grenzenlos und es gibt sicher nicht viele Lebensmittel, die nicht auch in Dosen vertrieben werden. Zu der großen Ansammlung an Konserven gesellt sich noch eine Auswahl an Trockenprodukten wie Nudeln, Spätzle und so weiter.
Auf ein paar frische Produkte wollen wir aber nicht verzichten und nehmen zwei Säcke Kartoffeln und Zwiebeln mit. Achtung: die Einfuhr von Kartoffeln ist unter Anderem in Norwegen verboten! Die Praxis wird aber zeigen, dass die Zollbeamten nicht so genau hinschauen (wollen). Man sollte das also nicht überbewerten. Wir nehmen auch noch eine Stiege Milch, zwanzig Eier, einige Sechserträger Wasser und Limonade sowie gefühlte zehn Tüten Aufbackbrötchen mit, schließlich sind wir kultivierte Mitteleuropäer und wollen jeden Morgen zwei frische Brötchen und ein weichgekochtes Ei auf dem Frühstückstisch stehen haben ;-).
Rechts am Rand findest Du das Bild der Steuerbord Backskiste, bis oben mit Lebensmitteln befüllt. Wir haben 150 € ausgegeben und soviel sei schonmal gesagt, wir hätten wohl noch zwei Wochen damit aushalten können (diese 150 € zählen in den Gesamtfinanzplan der Statistik mit rein).

Wo wir grad beim lieben Geld waren:
Natürlich muss man sich im Vorfeld auch Gedanken machen, was eine solche Reise kosten wird. Mit dem Routenplaner von google haben wir grob den Spritverbrauch berechnet und sind dabei auf rund 1500 € für angedachte 8000 km gekommen. Zusätzlich rechnen wir pro Tag etwa mit 50 € für Campingplatz und Kleinkram, was bei 22 Tagen nochmal 1000 € ausmacht. Für besondere Ausgaben, wie Fähren, Mauts und weiß der Geier was noch kommt haben wir noch einmal 500 € veranschlagt. Wir planen für 22 Tage Rundreise also cica mit 3000 € und sind gespannt, wie weit wir davon abweichen werden.


Das soll es zum Vorwort auch gewesen sein.
Wir freuen uns auf eine große Rundreise, die uns mit rund 8000 Km durch acht europäische Länder und hoffentlich viele tolle Erlebnisse führt.

Los gehts!

 
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